@HTAI, 07.11.2017 Hessen Trade & Invest

Belastungsprobe Brexit – jetzt sind Informationen gefragt

Am 29. März 2017 hat die britische Regierung offiziell den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bekundet. Über ein halbes Jahr später ist noch immer ungewiss, wie lange die Austrittsverhandlungen dauern werden und wie sich der Austritt im Detail gestaltet.

Brexit-Veranstaltung für hessische Unternehmer © Sabrina Feige

Vor diesem Hintergrund hat das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung die Hessen Agentur mit einer Studie beauftragt, die auch Aufschluss darüber geben soll, wie hessische Unternehmen die Risiken und Chancen des Brexits für den Wirtschaftsstandort Hessen einordnen. Im April wurden die Ergebnisse der Studie veröffentlicht und seitdem in drei Veranstaltungen zum Thema „Belastungsprobe Brexit“ in Frankfurt, Kassel und Wetzlar mit Unternehmern lebhaft diskutiert. Bei den Veranstaltungen, die in Kooperation mit den örtlichen Industrie- und Handelskammern durchgeführt wurden, kamen rund 300 Teilnehmer in den Austausch mit Experten.

Der Brexit in Hessen

Blickt man zurück auf die dort geführten Gespräche, wird deutlich: Ein tatenloses Abwarten steht bei all der Ungewissheit nicht zur Diskussion. Viele Unternehmen reagieren schon jetzt, und dies durchaus sehr unterschiedlich. Manche langfristige Investitionsentscheidung hessischer Unternehmer im Vereinigten Königreich wird zurückgestellt. Andere Unternehmen bauen dagegen Niederlassungen vor Ort. Der Grad an Aktivität hängt meist mit dem Anteil des UK-Geschäfts am Gesamtgeschäft zusammen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen generell, dass die Befragten die Auswirkungen des Brexits auf ihr Unternehmen überwiegend neutral bis pessimistisch einschätzen. Gerade in Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in das Vereinigte Königreich erwartet nahezu jeder zweite Befragte negative Auswirkungen. So erwarten etwa 60% der befragten Unternehmen eine Erhöhung der tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse.

Beim Blick über das eigene Unternehmen hinaus fällt die Einschätzung positiver aus – dem Land Hessen werden durch den Brexit durchaus Chancen als neuer Brückenkopf für ausländische Unternehmen in den europäischen Markt hinein prognostiziert. Dies gilt besonders für den Finanzplatz Frankfurt – 94% der Befragten halten es für wahrscheinlich, dass der Standort vom Brexit profitieren kann.

Gut informiert sinnvoll planen

Ein häufig genanntes Risiko, das Unternehmer laut der Studie sehen, ist die zunehmende Komplexität durch abweichende Regulierungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich. Das spiegelt sich auch darin wider, dass sich 77% der Befragten vom Land Hessen Beratung und Informationen zum Thema Brexit wünschen. Und insgesamt 85% wünschen sich ein politisches Engagement im Sinne möglichst guter Brexit-Verhandlungsergebnisse für die Unternehmen sowie eine Ausweitung von unterstützenden Maßnahmen wie Standortmarketing und eine Außenwirtschaftsförderung in UK und anderen Auslandsmärkten.

Etwa 60% der befragten Unternehmen erwarten eine Erhöhung der tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnisse.

Auszug aus der Studie „Hessen und der Brexit – Auswirkungen auf die hessische Wirtschaft“

Information und Dialog sind somit wichtige Maßnahmen, die hessischen Unternehmen Orientierung in der unabsehbaren Phase der Austrittsverhandlungen bieten können. So etwa im Rahmen der Veranstaltung „Brexit und die Folgen für die hessische Wirtschaft“ am 6. Dezember 2017 in der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar.

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