@HTAI, 08.05.2018 Hessen Trade & Invest

Aktuelle Brexit-Studie: Aussichten bleiben neblig

Ein Jahr nach dem Austrittsantrag herrscht zwischen dem Vereinigten Königreich (UK) und der EU alles andere als eitel Sonnenschein. Die Brexit-Verhandlungen verlaufen eher stockend und trotz leichter Fortschritte sind zentrale Fragen noch immer offen. Doch die Zeit läuft. Und die Unsicherheit hinterlässt bereits wirtschaftliche Spuren. Auch bei hessischen Unternehmen? Deren aktuelle Ansichten zum Brexit fragte die HA Hessen Agentur GmbH in einer neuen Studie ab, die am 2. Mai 2018 in Frankfurt vorgestellt wurde.

Der Palace of Westminster hüllt sich in Nebel – genauso unklar ist auch der Ausgang der Brexit-Verhandlungen. © istockphoto.com/ Bikeworldtravel

Im Rahmen des Round Table „Belastungsprobe Brexit – neue Chancen, neue Risiken für die hessische Wirtschaft?“ präsentierten das hessische Wirtschaftsministerium und der Hessische Industrie- und Handelskammertag die von der Hessen Agentur erstellte Studie „Hessen und der Brexit: Ein Jahr nach dem Austrittsantrag“. Die darin zusammengefassten Ergebnisse basieren auf einer im März 2018 breit angelegten Befragung von 500 hessischen Unternehmen und liefern wertvolle, aktuelle Ansichten aus erster Hand. Mit Hinblick auf die erste Befragung, die zum Jahreswechsel 2016/17 stattfand, lassen sich zudem interessante Trends ablesen. 

Harter Brexit bleibt höchster Risikofaktor

Konkrete Auswirkungen der langwierigen Verhandlungen und des immer noch möglichen ungeregelten Brexit sind im UK bereits spürbar: So verlor das britische Pfund an Wert, der Anteil des UK am BIP der EU verringerte sich und das reale Wachstum des BIP im UK zeigt Schwächen. Diese getrübten Aussichten teilen auch hessische Unternehmer: 37 % gegenüber 16 % im Jahr 2017 erwarten eine starke bis sehr starke Entfernung des UK von der EU nach dem Brexit. Wie ein ungeregelter EU-Ausstieg des UK ihr eigenes Geschäft beeinflussen könnte, sehen hessische Unternehmen mittlerweile ebenfalls deutlich negativer.

Als einen der wichtigsten Inhalte eines Freihandelsabkommens bezeichnen 50 % der Unternehmen die Vermeidung tarifärer Handelshemmnisse beim Export und 44 % die Vermeidung unterschiedlicher Standards und Normen.

AUSZUG AUS DER STUDIE „Hessen und der Brexit: Ein Jahr nach dem Austrittsantrag“

Abwarten und Tee trinken?

Trotz hoher Unsicherheit herrscht bei hessischen Unternehmen keine Brexit-Panik. Die Einschätzungen zu den Auswirkungen des Brexit auf die Unternehmen haben sich nicht weiter verschlechtert. Während der Großteil sich derzeit nicht in nennenswertem Umfang vom Brexit betroffen sieht und keine Maßnahmen ergreift, stellen andere ihre Entscheidungen noch zurück oder arbeiten bereits an Strategien für verschiedene Brexit-Szenarien. 

Durchaus positiver und nahezu unverändert im Vergleich zu 2017 wird der Einfluss des Brexit auf Hessen als Wirtschaftsstandort insgesamt eingeschätzt. Maßgeblich hierfür könnte unter anderem der sich nach Frankfurt verlagernde Finanzsektor sein. Zudem könnte sich Hessen im Standortwettbewerb um Investoren aus Drittländern noch stärker als Tor zur EU positionieren. 

Blick über den hessischen Tellerrand hinaus

Wertvolle Informationen im Hinblick auf gesamtdeutsche Erfahrungen und Perspektiven der Wirtschaft zu den Auswirkungen des Brexit liefert die aktuelle Sonderauswertung der IHK-Unternehmensumfrage „Going International 2018“. Sie wurde im Februar 2018 mit der Unterstützung von 79 Industrie- und Handelskammern erstellt, wobei über 2.100 auslandsaktive Unternehmen mit Sitz in Deutschland befragt wurden. 

Im Zusammenspiel liefern beide Studien ein umfassendes Stimmungsbild der Wirtschaft in Bezug auf den Brexit und somit eine solide Informationsbasis, an der sich unternehmerische Planung orientieren kann. Hessische Unternehmer haben darüber hinaus selbstverständlich jederzeit die Möglichkeit, sich bei einer unserer vielfältigen Veranstaltungen aktuell und zielgerichtet zu informieren. 


Laden Sie sich hier das PDF mit der Kurzfassung zur Studie der Hessen Agentur herunter: „Hessen und der Brexit: Ein Jahr nach dem Austrittsantrag“ (PDF)

Langfassung der Studie: „Hessen und der Brexit: Ein Jahr nach dem Austrittsantrag“ (PDF)

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