@Bloomberg L.P., 16.02.2018 Aus der Wirtschaft

Der Brexit-Schock erreicht die britische Automobilindustrie

Stellenabbau bei Vauxhall, Produktionskürzungen bei Jaguar Land Rover – der Brexit wirft seine Schatten voraus und Gewerkschaftsführer fürchten, dass dies erst der Anfang ist.
Im Brexit-Bulletin von Bloomberg berichten Suzi Ring und Chris Jasper über die Schwierigkeiten, die auf die britische Automobilindustrie zukommen, abhängig davon, wie sich die Handelsbeziehungen zwischen Europa und dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit gestalten.

Der Brexit sorgt für Unmut in der britischen Automobilindustrie. © istockphoto.com/ pierrephoto

Zölle und andere Handelshemmnisse könnten desaströse Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben, in der tagtäglich Produktionsteile Grenzen überqueren, mitunter mehrmals innerhalb des Fertigungsprozesses. Ein Beispiel hierfür: BMW Mini mit Fertigung in Oxford. Bevor es auf die Montagelinie geht, wird jede Kurbelwelle in Frankreich produziert, dann ins britische Motorenwerk nach Hams Hall nahe Birmingham transportiert, bevor es für die finale Montage nach Steyr in Österreich geht.

Diese fein abgestimmten Produktionsabläufe stehen auf dem Spiel bei den Bemühungen der Regierung, die zukünftigen Handelsbeziehungen mit Europa zu gestalten. Eine Zollunion, wie sie die britische Regierung ausschließt, würde zukünftigen Beziehungen etwas von den Spannungen nehmen. Regulierungen und Quoten könnten weitere Hindernisse darstellen, abhängig davon, wie das finale Abkommen aussieht. „Die Leute sollten nicht unterschätzen, welche Risiken der Brexit mit sich bringt“, sagt John Cooper, Gewerkschaftsvertreter aus Ellesmere Port. „Warum sollte Nissan in England investieren, wenn es dasselbe Auto in Spanien ohne die Belastung durch Zölle produzieren kann?“

Auch die Labour-Partei, unterstützt von den Gewerkschaften, rätselt noch, wie sie ein Abkommen gestalten würde, wenn sie die Chance bekäme. Es waren Labour-Wähler, die in den industriellen Kernregionen mit überwältigender Mehrheit für den Brexit gestimmt haben, in dem Versuch, Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten. Die Wirtschaftsvereinigung Institute of Directors schlägt eine Hybridlösung vor, die helfen würde, die Industrie zu schützen und gleichzeitig den Handelsspielraum für das Vereinigte Königreich in den Verhandlungen vergrößern würde.

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Die Leute sollten nicht unterschätzen, welche Risiken der Brexit mit sich bringt. Warum sollte Nissan in England investieren, wenn es dasselbe Auto in Spanien ohne die Belastung durch Zölle produzieren kann?

JOHN COOPER, Gewerkschaftsvertreter, Ellesmere Port

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