@HTAI, 16.07.2018 Hessen Trade & Invest

Blick nach Frankfurt: der Finanzplatz und der Brexit

Frankfurt spaltet, Frankfurt ist hip, Frankfurt verbindet regionale Beschaulichkeit mit internationaler Dynamik und Frankfurt ist vor allem eines: eine Stadt auf Wachstumskurs.

Auch wenn der Brexit für Frankfurt bescheidener ausfällt als gedacht: Die Stadt ist im Wandel. © istockphoto.com/ manfredxy

Unter den Unternehmen, die auf der Suche nach Büroflächen und Wohnungsraum für die internationalen Mitarbeiter sind, finden sich so bekannte Namen wie Silicon Valley Bank, Barclays, JP Morgan oder auch die kanadische Investmentbank RBC Capital Markets. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sieht den Brexit vor allem als Chance, den Finanzsektor in der Region stabil zu halten. Denn, so Al-Wazir, man müsse die Stellen, die im Zuge des Brexits in Frankfurt neu geschaffen werden, mit denen verrechnen, die zugleich in der Branche wegfallen. Trotz Dauerkonjunktur seien aktuell weniger Menschen im Finanzsektor beschäftigt als 2012, große Finanzinstitute wie die Commerzbank und die Deutsche Bank haben Stellenabbau angekündigt, kleinere Institute schließen Filialen. 

Und auch, wenn die Stellenzahl nicht mit Personen gleichzusetzen ist, wird Frankfurt einen Zuzug erleben und viele der Neu-Frankfurter werden ihre Familien mitbringen. Das bedeutet auch eine Nachfrage nach Schulplätzen. Bildungsdezernats-Referent Rüdiger Niemann sieht den Zuzug entspannt: „Wir wissen noch gar nicht, wie viele von den neuen Einwohnern tatsächlich mit Familie hierherziehen. Wir wissen aber, dass wir für alle Kinder, egal ob im Zuge des Brexits oder nicht, Schulplätze bereitstellen werden.“

Frankfurt steigt auf – die Skyline wächst

Der Finanzplatz wächst nicht nur in Zahlen, sondern verändert auch sein Gesicht: Allein sieben hochmoderne Wohn- und Bürotürme befinden sich aktuell im Bau, für 15 weitere könnte noch in diesem Jahr der erste Spatenstich erfolgen. Auch die Helaba Landesbank Hessen und Thüringen geht davon aus, dass der Brexit spürbare Auswirkungen auf den Immobilienmarkt in Frankfurt haben wird. Die Nachfrage nach Büroflächen könne dank der neuen Projektentwicklungen und einer Reihe von Leerständen problemlos bewältigt werden, prognostiziert die Bank in einem Immobilienreport.

Anders sieht es am Wohnungsmarkt aus, hier gibt es keine nennenswerten Leerstände, der Fokus liegt hier auf den Bauaktivitäten und auf den ausreichenden Flächenreserven im Umland, um einer Verschärfung des Wohnungsmarktes entgegen zu wirken. Immobilienkäufer zieht es schon heute verstärkt ins Umland der Finanzmetropole. In den Jahren 2012 bis 2017 ist die Nachfrage nach Wohneigentum im Frankfurter Umland um 200 Prozent gestiegen.

Hessen im deutschlandweiten Vergleich weniger hart betroffen vom Brexit

Alles in allem sieht man die Veränderungen in Frankfurt selbst gelassen, man sieht sich in allen Bereichen gut aufgestellt, um Neuzugängen den Einstieg in Frankfurt so einfach wie möglich zu gestalten.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern werde Hessen die Auswirkungen des Brexit tendenziell kompensieren können, sagt eine Studie des Ifo-Instituts im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. Je nachdem, wie hart der Brexit sich gestaltet, gehen die Wirtschaftsforscher von einem Rückgang der hessischen Wirtschaftsleistung um 0,08 bis 0,17 Prozent aus, im Vergleich zu einem Rückgang des BIP um 0,10 bis 0,23 Prozent für Deutschland insgesamt. In Hessen werde vor allem die Automobilbranche unter dem Brexit leiden, wohingegen der Zuzug der Finanzbranche nach Frankfurt diese negativen Folgen teilweise kompensieren könne. Das ist eine Besonderheit der hessischen Wirtschaft, dass hier der Wertschöpfungsanteil des verarbeitenden Gewerbes geringer ist als deutschlandweit, während die Bedeutung der Finanz- und Versicherungsbranche größer ist.

Wir haben durch den Brexit die Chance, den Finanzsektor in der Region stabil zu halten.

TAREK AL-WAZIR, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

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